Ein Blick in die aktuellen Prospekte der Lebensmittel-Ketten lässt einen schnell vergessen, dass hierzulande noch für gut ein Monat Winter ist. Da lachen einem die schönsten Obstsorten des Frühlings und Sommers entgegen: Erdbeeren, Nektarinen und Weintrauben etwa.

Dass diese aus Spanien, Chile (Südamerika) und Südafrika kommen und bereits um die halbe Welt gereist sind, stellt nur eine Randnotiz dar, die die meisten Kunden wohl nicht interessiert. Oft ist ja auch gar nicht ersichtlich, wo das Produkt überhaupt herkommt. Doch abgesehen davon, wenn gerade die Lust nach einer Nektarine besteht, muss diese für viele einfach her, koste es was es wolle. Dabei ist der Ladenpreis meist gar nicht hoch, wird gerade Obst aus dem Ausland oft billiger angeboten als heimisches. Der Preis für die Umwelt ist aber umso höherer. Wieviel CO2 die Erdbeere bereits verursacht hat, bevor sie den Gaumen erfreut, daran denken wohl die wenigsten. Einen großen Teil der Schuld trägt jedoch nicht der Konsument, sondern geht auf das Konto der Supermärkte.
Anstatt so viel zu sein und klar Nein zu Obst und Gemüse zu sagen, das 1000 Kilometer weit angereist ist, herrscht anscheinend die Angst vor, der Kunde könnte zur Konkurrenz laufen, wenn es auf einmal im Dezember keine Erdbeeren gibt. Das wäre für mich wahre Zivilcourage, einfach Nein zu solch einer Verschwendung zu sagen. Umgekehrt könnte natürlich auch der Konsument Nein sagen, aber so viel Mündigkeit darf man wohl nicht erwarten.
Diese Problematik wurde kürzlich auch vom "Konsument" beleuchtet, ja fast schon aufgedeckt. Das Magazin machte sich im Juli und August sowie im Dezember und Jänner in Supermärkten verschiedenster Ketten auf die Suche nach ausländischem Obst und Gemüse - und wurde dabei auch sehr schnell fündig. Das beste, genau genommen schlechteste, Beispiel waren Äpfel und Knoblauch: Obwohl auch aus heimischer Ernte verfügbar, wurden diese von Erzeugerländern wie Südafrika oder China angeboten. Doch es fanden sich auch Zuckererbsen aus Kenia, Kresse aus den Niederlanden oder Schnittlauch aus Indien im Sortiment.
Besonders Lidl ist dabei negativ herausgestochen: Selbst im Sommer wurde der Großteil des Gemüses aus den Niederlanden, Belgien und Spanien importiert. Fisolen kamen gar aus Marokko, obwohl österreichische Ware gerade knackfrisch geerntet wurde. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert kam oft die Ausrede, heimische Ware würde nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Das mag sein, dass Produkte aber auch aus nahe gelegeneren Ländern wie Italien hätten importiert werden können, wurde dabei anscheinend ignoriert.
Wer also etwas dagegen tun möchte, kauft am besten nur saisonales Obst und Gemüse aus heimischem Anbau. Ist dieses nicht verfügbar, dann entweder ganz verzichten oder zumindest darauf achten, dass die Ware nicht allzu weit angereist ist. So oder so ist aber auf jeden Fall Bio-Produkten der Vorzug zu geben.

5 Kommentar(e)
Interessanter Artikel. Bin voll Deiner Meinung!
Hallo,
ich bin Shopbetreiber und achte sehr darauf das ich regionale Produkte einbeziehe. Schließe mich dem Kommentar von Florian an!
Super, eine ehrliche Meinung die ich nur unterstützen kann. Das Problem liegt meist bei den Supermärkten, die engen die Lebensmittelauswahl wahnsinnig ein und immer mehr analoges-Lebensmittel wird so verbreitet.
selbst hier : http://www.kaeseplatte.com/allgemein/von-analogkase-zum-analog-eis-ohne-milch
wird nicht halt gemacht. Warum ??
Ganz gut gesagt, Florian! Bin auch dieser Meinung!
(prima Artikel, weiter so!)
Klar sind regionale, möglichst noch Bioprodukte, den weit hergekarrten vorzuziehen. Das fördert schließlich auch die regionale Wirtschaft und das wird in diesen Zeiten immer wichtiger!
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