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Bio-leben

Weblog über das alltägliche Leben mit Bio-Nahrung

Glutamat ist in aller Munde könnte man fast sagen. Speziell im Bereich der nicht-biologischen Fertiggerichte tut man sich nicht schwer ein Produkt zu finden, das den Geschmacksverstärker enthält. Doch auch ein Blick auf die Zutatenliste von Bio-Produkten offenbart nicht selten einen solchen Zusatz, hier jedoch unter der weniger auffälligen Bezeichnung Hefeextrakt.

Das wird zwar natürlich hergestellt, dient aber ebenso dazu, dem Produkt mehr Würze, ja letzendlich mehr "Geschmack" zu verleihen. Glutmat ist prinzipiel unbedenklich, kann in größeren Mengen aber zum so genannten "China-Restaurant-Syndrom", also Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Übelkeit führen. Die weitaus wichtigere Frage, die die Verwendung von Geschmacksverstärkern aufwirft, ist aber: Schmecken die Zutaten für sich alleine zu wenig oder nicht gut, dass ihnen auf die Sprünge geholfen werden muss? Den Herstellern zufolge anscheinend schon. In konventionellen Produkten ist das ja durchaus in Ordnung ist, giert der Durchschnittsgaumen doch nach einem solch pikanten Geschmack. In Bio-Lebensmitteln wiederum finde ich das aber umso unverständlicher, werden diese ja nicht selten als besonders "naturbelassen" angepriesen. Neben Aromen sind Geschmacksverstärker in meinen Augen Zutaten, die in Lebensmitteln wirklich nichts verloren haben.

Ja! Natürlich Letscho

Dass Hefeextrakt in Gemüsebrühe zur Anwendung kommt kann ich ja durchaus verstehen und ich verwende sie auch selbst. Wenn ich diese Zutat aber dann auf der Verpackung von Letscho (Paprikagemüse) von Ja! Natürlich lesen muss, so wie mir das am Wochenende passiert ist, hört sich das Verständnis schnell auf. Den Schritt, aus Ermangelung an frischen Zutaten auf das Fertiggericht zurückzugreifen, habe ich schnell bereut. Denn wer schon einmal selbst ein solches Gemüsegericht zubereitet hat weiß, dass der Geschmack von Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen durchaus für ein höchst zufriedenstellendes Ergebnis ausreicht. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang ja, dass beispielsweise reife Tomaten (sowie Spinat, Parmesan, Sojasauce usw.) von Natur aus Glutamat enthalten. Somit gilt einmal mehr: Auch bei Bio-Produkten ist man vor unnützen Zutaten nicht sicher.

Selbstverständlich habe ich bei Ja! Natürlich angefragt und um eine Stellungnahme gebeten. Erfreulicherweise lies sie auch dieses Mal nicht lange auf sich warten. Man machte sich sogar die Mühe, mich telefonisch zu kontaktieren. In der Leitung war der Qualitätsmanager von Ja! Natürlich, der sich so freundlich zeigte, und mich etwas hinter die Kulissen blicken ließ. Kurz zusammengefasst schilderte er mir Folgendes: Es passiert, so wie in jedem anderen Unternehmen auch, dass der Informationsfluss nicht immer der beste ist bzw. Dinge im Endeffekt einfach nicht so umgesetzt werden, wie ursprünglich ausgemacht. Das hat im Falle des Letschos eben dazu geführt, dass der Geschmacksverstärker Hefextrakt "durchgerutscht" ist, obwohl er eigentlich gar nicht eigensetzt werden sollte. Mir wurde aber versichert, dass in Zukunft viele der Produkte von Ja! Natürlich optimiert werden, darunter auch das Letscho, da man auch selber in vielen Punkten nicht so ganz zufrieden ist. Auf jeden Fall stimmte mir der äußerst freundliche Herr am anderen Ende der Leitung vollkommen zu, dass der Hefeextrakt in deren Produkten eigentlich nichts verloren hat. So sieht Kundenservice aus!

Mehr zum Thema: Spiegel Online, Schrot&Korn, naturel


4 Kommentar(e)

  • Christian Krammer am 24. March 2010, 14:14 Uhr #

    Kleines Update zu diesem Artikel: Vor kurzem habe ich den Hinweis in einer Broschüre von Ja! Natürlich entdeckt, dass deren gesamtes TK-Sortiment frei von Hefeextrakt sei, was somit auch das Letscho einschließen sollte. Auch auf der Website wird dieses Produkt seit kurzem ohne den Geschmacksverstärker gelistet.

    Das konnte ich natürlich nicht unüberprüft stehen lassen und habe mir die Zutatenliste bei Merkur und Billa angesehen. Und siehe da: Bei beiden Stichproben noch mit Hefeextrakt. Nach einer kurzen Nachfrage bei Ja! Natürlich wurde mir versichert, dass dies noch alte Produktions-Chargen seien. In der Tat: einige Zeit danach wieder im Geschäft nachgeschaut, und jetzt wirklich ohne Geschmacksverstärker.

    Zudem hat man mir bei Ja! Natürlich versichert, dass es auf den Verzicht dieses Inhaltsstoffes nur auf meinen Hinweis hin gekommen sei. Freue mich sehr, dass ich dazu beitragen konnte, die Welt ein wenig von unnützen Zutaten zu befreien.

  • Christian Krammer am 24. September 2009, 12:29 Uhr #

    Durch Zufall bin ich jetzt über ein weiteres Produkt von Ja! Natürlich gestolpert, in dem ebenfalls Hefeextrakt zu finden ist: Tortelloni. War doch sehr verwundert und auch ein wenig enttäuscht, dass das nun schon das zweite Produkte aus deren Hause mit dem Geschmacksverstärker ist. Leider ist der Hefeextrakt auch aus dem Letscho laut Zutatenliste noch immer nicht verschwunden. Habe mich diesbezüglich natürlich mit Ja! Natürlich in Verbindung gesetzt.

    Update: Bei dem genannten Artikel ist doch kein Hefeextrakt enthalten, hierbei handelt es sich nur um einen Fehler auf der Website. Am Etikett ist davon nichts zu lesen, wovon ich mich selbst überzeugt habe.

  • Christian Krammer am 4. November 2008, 08:21 Uhr #

    Nur andererseits denk ich mir halt, gerade bei so sensiblen Artikeln wie Lebensmitteln sollte man als Hersteller halt schon wissen, was wirklich enthalten ist, bevor es auf den Markt kommt – und notfalls halt den Kopf hinhalten und den Produktionsprozess stoppen. Hab natürlich auch Verständnis für den Hersteller, da damit vermutlich viel Aufwand und Verlust verbunden ist. Ist halt wie so oft nicht so leicht …

  • Horst am 3. November 2008, 19:19 Uhr #

    Das könnte sogar stimmen. Oft werden fertige Würzmischungen von Drittanbietern gekauft, auf die der eigentliche Hersteller dann kaum Einfluss hat. Beispielsweise ist das der Grund, warum alle Bio-Paprika-Chips ebenfalls mit Hefeextrakt versehen sind.

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