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Bio-leben

Weblog über das alltägliche Leben mit Bio-Nahrung

Heute der zweite Teil des Interviews mit Elmar Völkl (Teil 1).


Kann man bei anderen Fleischsorten (Anmerkung: andere als Rindfleisch) bedenkenlos zugreifen oder sind auch diese problematisch?

Der Veredelungsfaktor variiert stark nach Nutztierart und Tierprodukt.
Der Unterschied ist also nur ein gradueller: Käse und Rindfleisch zählen zu den besonders klimaschädlichen Produkten, intensiv gehaltene Schweine und Hühner sind am besten. 1 kg Fleisch bedeutet allerdings immer mindestens eine Emission von 2500 g CO2eq, während hingegen wenig raffiniertes Obst, Gemüse und Backwaren durch die Bank unter 1000 gCO2eq/kg liegen.


Wie oft darf man aus deiner Sicht pro Woche tierische Erzeugnisse zu sich nehmen?

Gegenfrage: Wieviel km "darf" man in der Woche mit dem Auto fahren?
Im Hinblick auf eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten müsste man beide Fragen streng mit "Null" beantworten!
Wie die Praxis zeigt entscheiden sich leider allzu viele Menschen für den Weg des geringsten Widerstandes bzw. den niedrigsten Kosten. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar mit dem Fahrrad scheint für viele Menschen ungleich mühsamer zu sein als die mit dem wesentlich teureren PKW.
"Teuerung" ist das Wort des Jahres; finanzieller Mehraufwand für eine lebenswerte Zukunft ist leider unpopulär.


Besonders Käse wird als der Klima-Killer angesehen. Dürfen wir diesen überhaupt noch guten Gewissens verzehren?

Aufgrund der extrem schlechten Ausbeute von "Futterpflanzen: Nein. Als Käse steht beispielsweise Emmentaler zu Recht weit oben auf der Liste der Klimaschädlinge. Butter ist allerdings mit 25000 gCO2eq/kg der Klimakiller Nr. 1.


Welche ökologisch sinnvollen Alternativen gibt es für das Frühstücksbrot?

Grundsätzlich gilt: Je roher, frischer und regionaler ein Lebensmittel desto besser, weil weniger Energie im Herstellungsprozess umgesetzt wird.
Ein guter Richtwert ist die Ernährungspyramide, wo tierliche Produkte immer weiter nach oben in die Spitze der "selten zu verzehrende Lebensmittel" rücken.
Ich ernähre mich rohkostnah, zum Frühstück eigentlich nur Obst und Tee. Manchmal ein Müsli mit Sojamilch.


Gibt es vielleicht auch pflanzliche Produkte, die besonders aufwändig und somit CO2-intensiv hergestellt werden?

Freilich: Hochtechnisierte Raffinationsprozesse wie Frittieren, Pasteurisieren, Schockgefrieren oder komplizierte Verarbeitungsrezepte sind immer energieintensiv und damit klimaschädlicher. So sind Tiefkühl-Pommes fast schon so treibhauswirksam wie Käse.


Viele pflanzliche Produkte werden aus Sojabohnen hergestellt. Ist Soja nicht verantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes?

Es wird oft behauptet, dass Sojaprodukte zur Abholzung des positiv klimawirksamen tropischen Regenwaldes beitragen. In Wahrheit wird der Regenwald jedoch zum Anbau von Soja als Tierfutter gerodet. Die steigende Nachfrage nach Tierprodukten zwingt die reicheren Teile der Bevölkerung immer mehr Pflanzen an Tiere zu verfüttern, während andere Menschen unmittelbar neben den Futtermittelplantagen verhungern.
Die Sojabohne wird als Nahrung für den Menschen deshalb gerne verwendet, weil sie alle essenziellen Aminosäuren enthält und daher als besonders nährstoffreich gilt.


Zum Abschluss erlaube mir noch eine persönliche Frage: Mit all dem Wissen über die Schädlichkeit von tierischen Produkten auf die Umwelt - welche Auswirkungen hat das auf dein tägliches Leben?

Leider zählt es zu den bestgehüteten Geheimnissen der globalen Tierindustrie, wie klimaschädlich ihre Produkte sind. Der Zusammenhang ist auch reichlich komplex: Während ein Auto unübersehbar Abgase emittiert und mit fossilen Rohstoffen getankt werden muss, ist das beim Kuhmilchshake nicht so unmittelbar ersichtlich.

Als empathischer Mensch versuche ich so rücksichtsvoll wie möglich zu leben: Daher konsumiere ich grundsätzlich keine Tierprodukte, beziehe Ökostrom, besitze kein eigenes Auto und erledige alles mit dem Fahrrad. In einer Großstadt wie Wien ist das auch leicht möglich und meistens sogar noch praktischerer, schneller und billiger. Ich kaufe auch nur ausschließlich Bioprodukte. Freilich gibt es auch Probleme, die man als Einzelperson mit durchschnittlichem Einkommen nicht lösen kann: z.B. das Heizen. So weit möglich engagiere ich mich auch politisch im Umwelt- und Tierschutzbereich und für die Utopie eines autofreien Wiens, z.B. www.criticalmass.at.


Vielen Dank an Elmar Völkl für die ausführliche Beantwortung der Fragen.


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