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Bio-leben

Weblog über das alltägliche Leben mit Bio-Nahrung

Als Ergänzung zu meinem Beitrag "Das Rindvieh als Klima-Killer" habe ich ein Interview mit Elmar Völkl geführt. Er ist Verfasser des Artikels "Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage", welcher mir unter anderem als Quelle gedient hat.

Elmar Völkl hat auf der TU-Wien Physik studiert und schreibt zurzeit an seiner Doktorarbeit in Technischer Chemie. Seit zehn Jahren widmet er seine Freizeit der ehrenamtlichen Mitarbeit in verschiedensten Umwelt- und Tierschutz-NGOs.


Welche Maßnahme ist besser geeignet, die Umwelt zu schonen: weniger Fleisch zu essen oder das Auto lieber öfter stehen zu lassen?

Ich würde nicht zwei umweltschädigende Verhaltensweisen gegeneinander ausspielen. Der drohende Klimawandel ist so ein dringliches Problem, dass alle Maßnahmen, die zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen, ausgeschöpft werden sollten.
Leider wird in der gegenwärtigen Diskussion nur allzu oft CO2 als Hauptverursacher dargestellt. Das ist nicht richtig: Laut der UN/FAO-Studie tragen die primär aus der Nutztierhaltung stammenden treibhauswirksameren Gase Methan (CH4) und Lachgas (N2O) mehr zur Erderwärmung bei als der gesamte Transportsektor (Verkehr).

Wenn man so will ist also der Verzicht auf tierliche Lebensmittel (Einsparpotenzial 18%) die effektivere Klimabremse als der totale Verzicht auf fossilen Verkehr (Einsparpotenzial 14%).


Wie sieht es mit der biologischen Landwirtschaft (Viehzucht) aus? Welche Unterschiede zum konventionellen Anbau wirken sich positiv auf den Ausstoß von Treibhausgasen aus?

Die Unterschiede sind sehr gering. Die energetisch und eigentlich klimawirksame Ursache sind die so genannten "Veredelungsverluste": Im Durchschnitt müssen zur Erzeugung einer kcal eines tierlichen Lebensmittels sieben kcal aus Futtermittelpflanzen verfüttert werden. Dieser Veredelungsfaktor ist im Vergleich zur konventionellen Nutztierhaltung beim etwas extensiveren Biolandbau tendenziell sogar noch schlechter: Aufgrund der erhöhten Bewegungsfreiheit verbrauchen "Bio-Nutztiere" mehr Energie, als ihre konventionell gehaltenen Geschwister in ihren engeren Boxen und Käfigen. Außerdem liegt bei der Auswahl der Zuchtlinie im Biolandbau der Fokus nicht so sehr auf optimale Futtermittelverwertung, wie im konventionellen Bereich.

Vorteilhaft gegenüber konventionellen Produkten ist die (diffuse) Biorichtlinie der "Regionalität": Wenn möglich, sollen Biolebensmittel möglichst regional angebaut werden. Hier könnten transportbedingte CO2-Emissionen eingespart werden, doch leider wissen wir BiokonsumentInnen nur allzu gut, woher so manche Bioprodukte stammen.

Das deutsche Institut für angewandte Ökologie hat konventionelle mit biologischen, pflanzliche mit tierlichen Lebensmitteln verglichen:
Vergleich Treibhausgas-Ausstoß konventionell-bio

Vergleich Treibhausgas-Ausstoß konventionell-bio (für eine größere Version bitte klicken)

Schließlich ist auch noch zu bedenken, dass die transportbedingten CO2-Emissionen im Schnitt lediglich nur 2-3% der Klimabilanz eines Lebensmittels ausmachen: Der Großteil der klimaschädlichen Emissionen wird durch die Technik beim Anbau, die Verarbeitung und Raffination verursacht. Daher kann eine Kiwi aus Neuseeland klimafreundlicher sein, als das Hühnerei vom Bauern nebenan! Bio oder nicht, macht dabei keinen Unterschied!


Gibt es auch in der konventionellen Landwirtschaft Möglichkeiten, die Emission an solchen Gasen zu verringern?

Gerade in der konventionellen Landwirtschaft ist eine intensive Manipulation am Nutztier erlaubt. Meines Wissens wird gerade an gentechnologischen Methoden geforscht, die Methanemissionen von Nutztieren zu reduzieren. Solche Eingriffe in die Natur werden aber selbstverständlich von keiner Biophilosophie unterstützt.

Auch der UN/FAO-Bericht nimmt Stellung zum Potenzial rein technologischer Maßnahmen: "Vorhandene Technologien zur Verringerung der durch Viehhaltung verursachten Emissionen würden [...] die Klimabelastung um nicht mehr als 20 Prozent verringern. Gemäß unserer generellen Strategie zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen befürworten wir deshalb eine Strategie zur Reduzierung des Konsums tierischer Produkte".

Die Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs in Staaten mit hohem Einkommen würde dann das allgemein reduzierte Niveau [des Fleischkonsums] definieren, das Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen auch erreichen könnten".
(National Centre for Epidemiology and Population Health; The Australian National University Canberra, Australia)


Österreich ist ja ein wahres Bioland. Macht es global gesehen überhaupt einen Unterschied, ob unser kleines Land auf die biologische Art der Erzeugung setzt?

Ich halte es für Propaganda von Österreich als "Bioland" zu sprechen. Der Anteil an Bioprodukten mag vielleicht im Steigen begriffen sein, aber nach wie vor ist der überwiegende Teil sowohl der landwirtschaftlichen Betriebe als auch der umgesetzten Produkte konventionell.
Das Klimaproblem kann freilich nur global gelöst werden. Viele Menschen verfallen daher leicht dem Irrtum zu fragen, was Österreich mit einer (theoretischen) restriktiveren Umweltgesetzgebung oder kritischeren KonsumentInnen überhaupt erreicht werden kann.
Der tatsächlich klimarelevante Einfluss Österreichs ist in Anbetracht der großen Wirtschaftsmächte mit ihren riesigen Emissionen in der Tat zu vernachlässigen. Es muss vielmehr darum gehen, ein Zeichen zu setzen, dass es auch anders - Bio und klimafreundlich - gehen kann! Davon ist Österreich allerdings noch meilenweit entfernt. Das reiche Österreich war nicht einmal bereit, die Kyoto-Ziele einzuhalten! Von dem Vorbild, das wir sein sollten, kann also noch lange keine Rede sein.


Angesichts der großen Menge an Treibhausgasen, die die Rinderzucht verursacht: ist es überhaupt noch vertretbar, Rindfleisch zu essen?

Eigentlich nicht. Ich selbst lebe auch aus Rücksicht auf Natur und Umwelt vegan, konsumiere also keine Produkte tierlichen Ursprungs. Allerdings sind nur wenige Menschen bereit soweit zu gehen. Viele sträuben sich schon gegen die Mehrkosten von "Ökostrom" oder wollen aus Bequemlichkeit nicht auf ihr Auto verzichten.
Wenn man bereit ist sich unvoreingenommen mit dem Bewusstsein und den kognitiven Fähigkeiten der so genannten "Nutztiere" auseinanderzusetzen, halte ich die Forderung nach einer vegetarisch/veganen Lebensweise für ethisch mehr als berechtigt.

Im Hinblick auf die ökologischen Auswirkungen besteht dasselbe Problem: Wie konsequent möchte man als Einzelperson die Natur schützen? Wo zieht man die Grenze? Während vielleicht manche Autofahrt abseits guter öffentlicher Infrastruktut tatsächlich unvermeidlich ist, scheint mir der prinzipielle Verzicht auf klimaschädliche Lebensmittelgruppen kein Ding der Unmöglichkeit.



Morgen dann der zweite Teil des Interviews.

3 Kommentar(e)

  • ökostrom vergleich am 26. May 2010, 22:52 Uhr #

    Nice,

    Ich hatte blickt auf diesem Blog mit guten Informationen und Leitlinie, das Beste aus der Natur zu erhalten. Seine Energie erzeugen hilft der Umwelt und ökostrom vergleich Benutzer.

    Regards

  • Christian Krammer am 12. January 2009, 12:49 Uhr #

    Ich glaube, die von dir angesprochene Angst ist eigentlich nur eine “Bequemlichkeit”. Denn wenn auf einmal nur noch pflanzliche Produkte auf dem Speiseplan stehen sollen, dann kommt das doch einer sehr großen Umstellung gleich. Es ist ja nicht so sehr der Verzicht auf Fleisch, sondern im Speziellen dass man ab sofort auf alltägliche Produkte wie Milch und Eier, die ja praktisch in jeder Mahlzeit vorkommen, verzichten soll.

    Abgesehen davon muss man erst einmal ein Geschäft finden, dass all die pflanzlichen Alternativen führt, denn wie soll man vegan leben ohne die benötigten Zutaten kaufen zu können. Insgesamt kann ich es also sehr gut verstehen, dass Veganismus von nur sehr wenigen Personen praktiziert wird.

    Ich persönlich würde es nicht machen, schränke mich speziell in Fleisch-Sachen aber sowieso schon jetzt sehr ein. Und es geht mir wirklich nicht ab.

  • Jasmin Penninger am 22. December 2008, 20:42 Uhr #

    Danke für dieses informative Interview! Den Antworten von Herrn Völkl habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

    Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig die Macht des Einzelnen als Konsumenten herauszustreichen. Desweiteren gestaltet es sich mehr als wünschenswert, beim Einkaufen ein geschärftes Bewusstsein zu entwickeln. Ich denke, dieses Interview hilft den Lesern einen bedeutenden Schritt weiterzudenken und dementsprechend zu handeln.

    Auch ich lebe vegan – und für mich stellt das auf keinerlei Ebene einen “Verzicht” dar. Für mich ist die “Angst” oder die “Abneigung” vor der konsequent veganen Lebensweise oder vor einer auf Pflanzen basierten Ernährung v.a. durch massives Unwissen, Vorurteile aber auch Ignoranz und Manipulation aufgrund von Wirtschaftsinteressen erklärbar.

    Danke. :)
    J.P.

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