Beim Restaurant-Besuch hört sich das Bio-Leben auf
Ich gehe eigentlich sehr gerne essen, warum nur "eigentlich" soll dieser Artikel klären. In letzter Zeit sind Restaurant-Besuche zwar aufgrund meines kleinen Sohnes etwas seltener geworden, ab und zu verschlägt es mich dann aber doch in ein heimisches Lokal.

Allzu sehr nachdenken darf ich darüber, was auf den Tisch kommt als überzeugte Bio-Esser aber nicht. Natürlich, nimmt man größtenteils solche Produkte zu sich, wirds einem nicht schaden, wenn im Restaurant mal konventionelle Lebensmittel serviert werden. Einem selbst sicher nicht, dem Tier, das in mundgerechten Stücken vor einem am Teller liegt, aber vielleicht schon. Das hat sein Leben zwar schon hinter sich, wie es das verbracht hat, ist aber eine andere Sache. Etwa eingepfercht in einen viel zu kleinen Stall mit wenig Auslauf und vielleicht nicht einmal echten Tageslicht? Natürlich ist das nicht die Regel, kann dem Tier aber durchaus passieren.
Hierbei handelt es sich auch um genau das, worum es mir bei Bio-Lebensmitteln, im Besonderen Fleisch, geht. Nicht so sehr darum, dass es vielleicht gesünder ist, einen besseren Geschmack hat oder die Herstellung nicht so CO2-intensiv war. Nein, es geht mir eher um das Tier selbst. Auch wenn es noch so abgedroschen und wie aus dem Mund eines eingefleischten Tierschützers klingt (der ich im Übrigen nicht bin) klingt: jedes Lebenwesen hat ein Recht auf Würde und ein schönes, seiner Art angepasstes Leben. Und da kann ich mir in einem Restaurant halt nicht so ganz sicher sein und die Devise lautet, entweder mal das Hirn auszuschalten oder "Augen zu und durch".

Wenn man es genau nimmt ist die Sache bei vegetarischen Speisen nicht viel einfacher. Diese mögen aufgrund des konventionellen Anbaus vielleicht Pestizid-belastet sein, durch den seltenen Verzehr werde ich als Person aber sicher keinen Schaden davontragen. Die Umwelt bei der Erzeugung aber schon eher: belastete Böden, aufwendige Herstellung von mineralischen Düngern usw. Und wenn ich dann auf der Dessertkarte auch noch Erdbeeren lese, obwohl die Saison dafür schon längst überschritten ist, dann hört es sich sowieso auf. Klar, auch ich esse im Winter importierte Tomaten und Zucchini aus Italien, aber das sind meiner Meinung nach alltägliche Lebensmittel, die aufgrund ihrer Nährwerte das ganze Jahr über am Speiseplan stehen sollten. Bei Erdbeeren hingegen genügt es nun wirklich, sie ein Monat genießen zu können und sie nicht im Winter einfliegen zu lassen.
Natürlich gilt auch hier wie überall: Die Menge machts. Wenn ich alle paar Wochen mal ein Restaurant besuche, dann ist das sicher absolut vertretbar. Andererseits: Jeder Einzelne von uns kann dazu beitragen, dass die Welt auch für unsere Kinder eine schöne ist. Und daran sind Bio-Produkte ohne Frage beteiligt. Mein Sohn wird es mir in 20 Jahren danken, wenn er auch dann noch vor die Tür gehen und die Natur genießen kann.

2 Kommentar(e)
Nachfragen ist immer gut, da hast du recht. Wäre direkt mal interessant, das bei künftigen Restaurant-Besuchen zu machen und die Reaktionen des Personals einzufangen. Traue mich fast zu wetten, dass im Großteil der Gaststätten konventionelle Produkte zum Einsatz kommen, wo sich niemand drum schert, welche “Vorgeschichte” diese haben.
Abgesehen davon: Nur weil ein Produktion aus dem eigenen Betrieb bzw. der Region kommt, heißt das leider noch lange nicht, dass es deswegen “verträglicher” hergestellt wurde. Die Transportwege sind natürlich kürzer, das ist ein großer Vorteil.
Löbliche Ausnahmen gibt es aber zum Glück auch. War erst gestern in einem ländlichen Restaurant essen (Schilcherlandhof), das Bio-Schafskäse auf der Karte hatte.
Oh ja, ein echtes Problem. Aber zumindest kann man überall nachfragen, wo die Produkte herkommen. So schafft man zumindest ein wenig Bewusstsein. Und gerade ländliche Gaststätten haben zumindest eigene Produkte, evtl. kann man sogar in direkter Nähe die Ställe und Anbauflächen bewundern.
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