Eines der größten Probleme der menschlichen Ernährung: Genau das, was besonders gut schmeckt, nämlich Fett und Zucker, ist auch am ungesündesten. Während ersteres in allzu großen Mengen gemieden werden sollte, gibt es für Zucker wiederum zahlreiche Alternativen in Form von Süßstoffen (beispielsweise Aspartam und Saccharin). Diese haben sehr wenige oder keine Kalorien und verursachen zudem keinen Karies. Doch auch hier gibt es Nachteile, stehen sie doch immer wieder im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein sowie Heißhungerattacken zu fördern.

Doch es gibt eine natürliche Alternative: Stevia. Der größte Nachteil: Es ist in der EU als Lebensmittel-Zusatzstoff nicht zugelassen, darf also nicht zum Süßen in Umlauf gebracht werden. Warum? Die Begründung liegt schlicht und einfach in der Bürokratie der EU, da Lebensmittel, welche vor 1997 nicht im Umlauf waren, ein Zulassungsverfahren durchlaufen mussten. Da jedoch zu wenig Studien vorhanden waren, die für den Süßstoff sprachen, kam es bisher zu keiner Zulassung.
Man sollte meinen, was offiziell kein Lebensmittel ist, sollte auch nicht verzehrt werden. Stevia ist jedoch eine uralte Kulturpflanze, die ursprünglich aus Südamerika stammt und von den dortigen Einwohnern schon seit Jahrhunderten verwendet wird. Weder hier noch in Japan, in dem es ebenso schon lange Zeit im Umlauf ist, konnten bis jetzt negative Wirkungen beobachtet werden. Mögliche gesundheitsschädigende Auswirkungen sind derzeit nur aus Tierversuchen bekannt, die allerdings nicht 1:1 für den Menschen gelten. Solange bei der Verwendung der Grenzwert (4 mg pro kg Körpergewicht und Tag) nicht überschritten wird, besteht laut Empfehlungen keine Gefahr. Außerdem sprechen für Stevia laut Studien zahlreiche positive Wirkungen, wie karieshemmende oder blutzuckerstabilisierende Eigenschaften.
Im Umlauf ist Stevia als Nutzpflanze, die man sogar selbst zuhause anbauen kann, in getrockneter Form, als Pulver oder als Flüssigkonzentrat. Besonders letzteres hat eine bis zu 300 Mal höhere Süßkraft als Zucker, sollte also äußerst vorsichtig dosiert werden. Ein Zuviel in der Dosierung verursacht schnell Bitterkeit.
Das zeigte sich auch in einem Praxistest der Onlineausgabe von Brigitte. Kuchen mit Stevia gesüßt wollte einfach nicht gelingen. Entweder viel zu süß, da einfach Erfahrungswerte bei der Dosierung fehlen, oder viel zu trocken, da die Masse des konvetionellen Zuckers nicht vorhanden war. Dennoch werde ich Stevia in Kürze wohl einem Selbsttest unterziehen und natürlich auch an dieser Stelle darüber berichten (siehe mein Beitrag unten in den Kommentaren).
Das erste Mal aufgefallen ist mir der Süßstoff vor einiger Zeit in einer Filiale des Reformhaus Martin als Kosmetikzusatz. Ich hatte davor zwar schon vereinzelt darüber gelesen, war dann doch zu unsicher, um es zu kaufen. Weiters kann man Stevia bei eBay als Süßstoff als auch in Form von Samen kaufen. Unzählige weitere Bezugsquellen liefert zudem eine Suche in Google.
Den Süßstoff zu verwenden muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, denn trotz der zahlreichen Vorteile ist und bleibt es kein zugelassenes Lebensmittel, sei der Grund auch noch so nebensächlich. Auch die Dosierung stellt ein nicht zu unterschätzendes Hindernis dar. Erfahrungswerte stehen wohl erst zur Verfügung, wenn Stevia nach einer eventuellen Zulassung der breiten Masse zugänglich gemacht wird.
Quellen: Wikipedia, derStandard.at, Freestevia

6 Kommentar(e)
In unserem Haushalt spielt Stevia mittlerweile eine ziemlich große Rolle als Zuckerersatz. Egal ob im Apfelstrudel, in Salatmarinaden, Kompotten etc. – überall wo geringere Mengen Zucker benötigt werden, kommt Stevia zum Einsatz.
Ich habe jedoch schon Erfahrungen mit unterschiedlichen Steviaprodukten gemacht, die teilweise einen metallisch-künstlichen, bisweilen bitteren Geschmack haben – schlicht ungenießbar.
Lediglich das “Steviapulver weiss” von Vollkraft überzeugte durch ausschließliche Süßkraft. Christians Urteil über die nicht vorhandene Süßwirkung irritiert ein wenig. Ich hatte nie Probleme mit schwankender Produktqualität. Meine Empfehlung: Die angebrochene Packung an Vollkraft schicken. Ich bin überzeugt, die Firma leistet umgehend Ersatz.
Also, ich habe mir Stevia von Vollkraft besorgt (€ 9,95 für 50g).
Süßwirkung = 0.
Als letztes habe ich einen halben Kaffeelöffel in den Kaffee geschüttet, Wirkung = 0.
Entweder, es wird die Süßwirkung mitlerweile zum Schutz der Süßstoff-Industrie chemisch neutralisiert, oder das Zeug ist weit überschätzt.
Nachtrag zum Artikel: Ich habe Stevia nun in getrockneter Form gekauft und über eine längere Zeit zum Süßen von Kakao verwendet. Stevia süßt zwar sehr gut, nur ist der Geschmack nie so rund, wie wenn man Haushaltszucker oder Ähnliches verwendet. Es ist einfach immer ein gewisser “künstlicher” bzw. ungewohnter Unterton heraus zu schmecken.
Somit habe ich für mich entschieden, dass ich es bei diesem Selbsttest belasse und zukünftig wieder normalen Bio-Zucker verwende, den dafür aber in Maßen. Spätestens nächsten Sommer werde ich aber einen Versuch starten und Stevia selbst züchten und die Blätter beispielsweise zum Süßen von Tee zu verwenden. Ein Erfahrungsbericht folgt.
Ausserdem ist Honig im Gegensatz zu Stevia nicht Insulinneutral, wie auch viele andere synthetischen Süssungsmittel. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse tatsächlich ruht und ihr nicht vorgegaukelt wird, das etwas Süsses im Magen gelandet ist. Ich verwende fast ausschliesslich Stevia zum Süssen, beim Backen aber oft in Kombination mit Honig, um den Geschmack etwas “voller” zu machen.
Natürlich gibt es neben reinem Zucker noch ein Vielzahl anderer Süßungsmittel, die jedoch alle gemeinsam haben, dass sie sehr viele Kalorien enthalten und somit in welcher Form auch immer in zu großer Menge ungesund sind.
Mein Artikel über Stevia soll aber ein Süßungsmittel aufzeigen, das nahezu gänzlich kalorienfrei ist und somit in unserer überzuckerten Welt ein sinnvolle Alternative darstellt.
Der von dir angesprochene Honig ist, wenn auch in etwas anderer Form, auch nur Zucker mit all seinen Nachteilen. Natürlich, Honig hat nur einen Zuckeranteil von ca. 80%, daneben noch für den Menschen wichtige Inhaltsstoffe, die dem Raffinadezucker fehlen sowie weniger Kalorien. Zucker ist und bleibt aber trotzdem Zucker.
Ich will ihn auch wirklich nicht verdammen und bin selbst ein sehr Süßer, aber warum nicht mal nach einer Alternative umschauen?
Süßen ist doch so einfach, man nehme ein ganz natürliches, kaum verarbeitetes Produkt, den Honig, passt und schmeckt (fast) immer, ok, ich gebe zu. Kaffee mit Honig zu süßen, ist auch meine Sache nicht, dann lieber bitter.
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